Und in Greenwich bleibt die Zeit stehen, um wieder langsam zu leben

Anonim
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LONDON - Wenn sich die Wirtschaft verlangsamt oder sogar mit dem Rückwärtsgang kämmt, muss jeder langsamer fahren. Das Slow Down Festival, das Festival der Langsamkeit, zehn Tage Spaziergänge, Seminare, Debatten, um menschlicher leben zu lernen, scheint also speziell für die Zeiten gemacht zu sein, die sozusagen verlaufen. Die Demonstration, die heute in London eröffnet wird, war vor der globalen Rezession geplant: Die Befürworter hoffen jedoch, dass ihre "Verlangsamungsphilosophie" einen weiteren Grund findet, sich in der Wirtschaftskrise zu behaupten. Die Welt hat sich jahrzehntelang rasant beschleunigt und ist dann zusammengebrochen: Wenn das Ergebnis eines einhundertstündigen Lebens eine Katastrophenwirtschaft ist, sagen die Organisatoren, ist es vielleicht an der Zeit, langsam zu leben.

Die Idee von Slow Down kam drei Londonern, die nicht einmal auf die Toilette gegangen wären: Tessa Watt, ehemalige BBC-Radioproduzentin, Deepa Patel, ehemalige Unternehmensberaterin, und Amanda Stone, ehemalige Software-Programmierer. Zuerst haben sie das Konzept der "Verlangsamung" auf ihr Leben übertragen, jetzt versuchen sie, es als Evangelium für die Massen zu verbreiten: das existenzielle Äquivalent der Slow Food-Bewegung, die von Carlo Petrini ins Leben gerufen wurde. "Die unglaubliche Spirale des Konsums, der Arbeit und des Rauschens des Lebens, die den Westen durchzogen hat, musste ein Ende haben", sagt Tessa Watt, die ehemalige Produzentin der BBC, die Meditationslehrerin geworden ist. „Seit der industriellen Revolution ist die Geschwindigkeit unseres Lebens gestiegen. Was bringt es, so zu rennen? Die Wirtschaftskrise ist schmerzhaft, aber es sollte eine Gelegenheit sein, über das nachzudenken, was wir vom Leben erwarten, und zu lernen, einige Dinge zu schätzen, die wir aus den Augen verloren haben, wenn wir zu schnell leben. "

Das Festival umfasst Aktivitäten und Veranstaltungen wie Gedichtlesungen, Weinproben und Meditationsworkshops. Beginnen Sie heute mit einem Spaziergang über die London Bridge während der Hauptverkehrszeit, der Hauptverkehrszeit für die Rückkehr von der Arbeit, fast einem Umerziehungsseminar. Am Abend folgte eine Debatte im astronomischen Observatorium von Greenwich über den Nullpunkt der Zeitzonen: den Ort, an dem die Zeit gezählt wird. Und dann Kurse zum Abendessen bei Kerzenschein oder zum (Wieder-) Lernen des Schreibens mit dem Stift. Die Zeit für eine Verlangsamung scheint günstig, nicht nur wegen der Krise: In England ist gerade ein Buch erschienen, "Wie man untätig ist, wie man frei ist", das seine Vorzüge lobt. Und sogar die Financial Times, die Bastion des Kapitalismus, veröffentlicht jeden Samstag eine Kolumne mit dem Titel "Die langsame Spur": die langsame Spur.

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